Krisen werden durch die Zeit definiert, in der sie stattfinden.
Oder in der Zeit, in der sie stattfinden.
Für die Großmutter war das der Russ, der vor der Tür steht.
Für die Weinbauern Großeltern im hinterletzten burgenländischen Kaff waren das die Krawoden, die einbrechen und stehlen kommen.
Für die Resi-Tant war das die Aufdeckung des von ihr erbgeschlichenen Überbringersparbüchls durch die geprellte Verwandtschaft.
Für den Walter-Onkel war das, mal wieder einzufahren und für die nächsten Monate Kost und Logis auf Staatskosten zu bekommen.
Und für mich war das der damals drohende Krieg, der nach dem kalten kommt, diesmal der finale.
Krisen kann man durch Blicke bewältigen, quasi niederstarren.
Manche blicken nach vorn. Das ist schlau, denn es wird ein Danach geben.
Manche blicken zurück. Das ist auch schlau, denn in der Krise zeigt sich oft, dass man schon vor einiger Zeit falsch abgebogen ist. Manche schauen dann sehr weit zurück, und das kann man verstehen, weil: Wann hat man zum letzten Mal Reden von ‚Durchhalten‘ und ‚Opfer‘ und ‚Helden‘ gehört?
Wir wollen nicht so weit zurückschauen. Nur in die Zeit, die jetzt retro heißt. Oder vintage. Oder Mid-century, als unser Gesundheitssystem noch ungefragt finanziert wurde, unsere Industrie noch produzierte, unsere Landwirtschaft noch auf sowas wie Selbstversorgung getrimmt war, es in jedem Haushalt eine volle Speis’ gab – weil’s in jedem Haushalt noch eine Speis’ gab – und Klopapier maximal zweilagig war.
Vieles von dem, was Sie lesen werden, wird Ihnen grotesk vorkommen, wenn Sie es nicht mehr selbst miterlebt haben. Oder befremdlich. Im schlimmsten Falle kommt es Ihnen vertraut vor, weil Sie dabei waren. Dann bitte ich Sie, trotzdem hinzuschauen. Oder genau deswegen. Folgen Sie uns in die kleine Welt von damals, in Zimmer, Kuchl, Kabinett.
[CC]
Zimmer, Kuchl, Kabinett
Nostalgie
1. Die Kanzlei
2. Das Bravo
3. Das Ernten
4. Das Häusl
5. Die Tiefkühltruhe
6. Der Schimmel
7. Die Fleischeslust
ZKK Collaterals